• Druckversion
  • Drucksymbol
Sie befinden sich hier:

Afghanische Kinder kostenlos behandelt

Gelungene Rehabilitation: Das Klinikum Main-Spessart hat dieses Jahr wieder zwei afghanische Kinder monatelang kostenlos behandelt. Die beiden Jungen, die an schweren Knochenentzündungen litten, können nach mehreren Operationen wieder sorgenfrei Fußball spielen. Als Zuspieler fungierten am Montag in Marktheidenfeld Chefarzt Dr. Stephan Vögeli (links) und der ehrenamtliche Dolmetscher Yusufi Temor. Foto: Andreas Brachs

Mit einem improvisierten Fußballgekicke im Innenhof des Kreiskrankenhauses Marktheidenfeld verabschiedete Chefarzt Dr. Stephan Vögeli zwei afghanische Jungen.

Das Klinikum Main-Spessart hat die beiden neun und acht Jahre alten Kinder auf Bitte des Vereins Friedensdorf International vier Monate lang erfolgreich und kostenlos behandelt. Damit hat der Landkreis seit 1990 insgesamt für 33 afghanische Kinder die Kosten für Behandlung, Aufenthalt und Verköstigung in seinen Krankenhäusern in Lohr und Marktheidenfeld übernommen, wie das Klinikum bei einem Pressegespräch mitteilte. Die Kosten pro Kind summierten sich auf rund 25 000 Euro. „Wir helfen da, wo es nötig ist“, erklärte der Chefarzt. Vögeli hofft, dass die Kinder so zu „Multiplikatoren für eine freundliche Zukunft“ in Afghanistan werden. Die beiden Jungen, Mohammed und Ali, litten unter nicht ausgeheilten Entzündungen, wie sie bei deutschen Kindern nicht vorkommen. Weil sie in Afghanistan nicht richtig behandelt wurden, setzten sich die Bakterien aus den Entzündungsherden über die Blutbahnen in Arm- und Beinknochen fest und begannen, sie zu zerstören.

Die Folge: Die Jungen litten unter deutlichen Deformationen und Wachstumsstörungen. Diese Bakterien und das angegriffene Knochenmaterial wurden seit Februar in vier bzw. acht Operationen entfernt. An dessen Stelle fügte das OP-Team um Chefarzt Vögeli von der Kleinostheimer Firma Apatech gestifteten synthetischen Knochenersatzstoff ein, ohne den die Behandlung deutlich länger gedauert hätte.

Um die Buben, die ohne Eltern vier Monate im fremden Land lebten, kümmerte sich ein Team von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern. Das Pflegeteam von Stationsleiter Ottmar Bähr und die Physiotherapie sorgten dafür, dass die Kinder ihre Schüchternheit schnell ablegten. Rita Geißler, Gabi Vettel und Nicole Schumann betreuten und unterrichteten die Buben. Der aus dem Aschaffenburger Raum stammende Dolmetscher Yusufi Temor überwand Verständigungsschwierigkeiten und half, das Heimweh einzudämmen.

Nachhaltige Versorgung

Nach Angaben von Bärbel Franz vom Friedensdorf International werden die Kinder nach ihrer Reha noch eine Zeit lang in der Oberhausener Zentrale versorgt und ärztlich betreut, bevor sie im August mit einem Sammelflug zurückfliegen. Auf dem Rückflug sollen 120 andere hilfsbedürftige Kinder nach Deutschland gelangen. Franz erklärte, dass die Betreuung der behandelten Kinder mit dem Heimflug nicht abbreche. Sie würden weiterhin medizinisch betreut und bekämen – wie im Fall des einen kleinen Marktheidenfelder Patienten – orthopädische Schuhe in der Wachstumsphase.

Weil eine Längenkorrektur der Beine im Erwachsenenalter angezeigt ist, kann es sein, dass ein Kind in ein paar Jahren wieder den Weg nach Marktheidenfeld findet. Um die ungleichen Beinknochen einander anzupassen, muss der Junge allerdings ausgewachsen und entzündungsfrei sein.

Als Anerkennung für die Freundlichkeit und die Gelassenheit, mit der die Kinder die aufwändigen Operationen und die Folgen ertrugen, bekamen sie vom Klinikum Main-Spessart einen Rucksack mit kleinen Geschenken überreicht. Die größte Freude hatten die Jungen an zwei Lederbällen, denn Fußball spielen ist ihre Lieblingsfreizeitbeschäftigung.


Kopf Rechte Spalte
Kopf Rechte Spalte
Quickfinder
Babyfinder
Grusskarten